Holunder – bewährtes Heilmittel der Volksmedizin

Holunder - Unkraut oder bewährtes Heilmittel der Pflanzenheilkunde

Holunderbeeren

Holunder - Unkraut oder bewährtes Heilmittel der Volksmedizin

Warum wird um das Unkraut Holunder, das auf nahezu jedem Steinhaufen, an Bahndämmen, früher aber auch bei fast jedem Bauernhaus wuchs, solches Aufheben gemacht? Ganz einfach – es ist die Pflanze, die eines der konzentriertesten und ausgeklügeltsten Biopolyphenolgemische beherbergt. Solche Biopolyphenolgemische dienten ursprünglich der Pflanze selbst höchst effektiv als Fressfeindabwehr, von Wildverbiss über Bakterien bis zu Pilzbefall. Genau deshalb ist sie so erfolgreich und häufig. Heute noch schwören viele auf die gute Wirkung der Holunderbeerenauszüge in Grippezeiten. Ins Gespräch gekommen ist sie aber in den letzten Jahrzehnten als „Radikalfänger“.

Radikalfänger Holunder

Radikalfänger sind Substanzen wie Flavonoide, Katechine, Polyphenole aller Art, die durch ihre chemische Netzstruktur hochreaktive freie Radikale in unserem Körper einfangen und unschädlich machen können. Diese freien Radikale haben eigentlich eine lebenswichtige Bedeutung: Sie ermöglichen den Energiegewinn im letzten Schritt der Nahrungsverwertung, der so genannten Atmungskette in der Zelle. Was im Autozylinder unter Hitze und Knall passiert, machen sie wesentlich effektiver ohne Hitze und Knall in der Zelle – könnten wir es doch schon nachbauen! Wie im dickwandigen Zylinder, so sind auch in der Zelle hochreaktive Vorgänge hinter Wänden eingesperrt. Bei hohen Belastungen, Stress, Entzündungen oder chronischen Krankheiten werden aber so viele freie Radikale produziert, dass sie aus dem Gefängnis ausbrechen, und alles mit ihrer außergewöhnlichen Reaktionsfähigkeit attackieren, was ihnen unterkommt.

Attacken auf die Zellwände

Uns interessiert dabei besonders die Attacke auf das Fett der Zellwände an der Innenseite der Blutgefässe – sie machen das Fett dort ranzig. Der Körper merkt es, schickt Fresszellen hin um die gefährlichen ranzigen Rückstände zu vernichten. Die Fresszellen überfressen sich meist, platzen, bilden Fettablagerungen an der Innenseite der Gefäße die dann verkalken – es entsteht Arteriosklerose, ein besonderer Feind der Diabetiker. Sämtliche der so gefürchteten diabetischen Folgeerkrankungen wie Angiopathien (siehe oben) oder Neuropathien werden durch frei Radikale, die sich verselbständigt haben, ausgelöst oder begünstigt. Da Diabetiker erniedrigte körpereigene Antioxidantien (Radikalfänger)-Konzentrationen haben, werden die freien Radikale schlecht neutralisiert. Wir selbst konnten nachweisen, dass die Anzahl der produzierten freien Radikale genau mit Belastung und Stress wächst. Auch Diabetes ist eine Belastung, die Stress auslöst.

Vernünftiger Umgang mit Polyphenolextrakten

Bitte verstehen Sie mich recht: Es macht für einen Gesunden wenig Sinn, die überreichlich angebotenen, meist künstlich aufbereiteten Polyphenolextrakte aus allen möglichen Pflanzen von Kurkuma bis Eichenlaub wahllos in sich hineinzufressen. Das kann sogar recht schädlich sein, weil die freien Radikale in vernünftigem Umfang auch als gedungene Mörder von kranken und schwachen Zellen fungieren, die den Körper belasten und weg müssen. Im Falle von hohen Belastungen, chronischen Krankheiten, besonders aber von Diabetes sollten geschwächte Radikalfangsysteme wie etwa die Superoxiddismutase (SOD), die Glutathionperoxidase (GPX) und die Katalase durch Pflanzenbiopolyphenole unterstützt werden. Diese geschwächten Abfangsysteme sind meist nicht mehr fähig, einen unangenehmen Kreislauf im Zaum zu halten: Die oft durch freie Radikale mit ausgelösten Entzündungen, wie etwa auch Hautläsionen, produzieren selbst wieder freie Radikale, deren Anzahl dann gut und gerne das vier- bis fünffache dessen betragen kann, was dem Körper nützt. Wir sehen auch hier, dass diabetische Stoffwechselveränderungen, ähnlich wie bei Zucker, das Überborden von an und für sich nützlichen Substanzen in gefährliche Höhen begünstigt [1]. Ich schlage vor, Sie sprechen einmal mit Ihrem diabetesgeschulten Arzt des Vertrauens über Biopolyphenole und Radikalfänger.

"Die Anatomie des Holunders"

Das Buch von Dr. Martin Blochwitz “Die Anatomie des Holunders” war zu Zeiten des dreißigjährigen Krieges weit verbreitet. Damals wusste natürlich niemand, was freie Radikale sind. Die unglaublich vielfältigen Wirkungen der Holunderpflanze waren aber schon bekannt. Das Buch von Marin Blochwitz wurde 2014 in eine verständliche Schriftsprache übersetzt und mit Erläuterungen ergänzt, und ist nicht nur für den Fachmann auch heute noch überaus aufschlussreich und anregend. Die Überarbeitung des Werkes aus dem Jahre 1642 ist in einem wunderschönen, geradlinigen und worthülsenlosen Deutsch geschrieben und daher auch für Laien amüsant und lehrreich. Das Buch ist in der Holunderwunderwelt erhältlich.

Buchpräsentation am 21.11.2014 um 18:45 in der Holunderwunderwelt

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holunderbook

Literatur:

[1] S. Porta, W. Desch, G. Korisek, K. Kisters, J. Porta, H. Gell und M. M. Bratu: Eine neue Möglichkeit zur Erfassung und Erklärung von Stoffwechselbesonderheiten bei hypertonen Typ2 Diabetikern. Nieren und Hochdruckkrankheiten, 39/5, p

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