Japanische Gartenstile

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der japanischen Gartenstile

Japanischer Garten, Osaka Japanese Garden, Chicago

Die Gemeinsamkeit aller japanischen Gartenstile

Die japanische Gartenkunst drückt sich durch eine große Bandbreite an unterschiedlichen Stilen der Gartengestaltung aus. Dennoch haben japanische Gärten eines gemeinsam: Ihre tiefe und beruhigende Wirkung auf den Besucher, den Wunsch, Harmonie zwischen Mensch und Natur herzustellen und Ruhe, Frieden und Meditation zu fördern und die Natur im Garten widerzuspiegeln.

Die japanischen Gärten sind bis ins kleinste Detail geplant und stehen in Harmonie mit ihrer Umgebung.
Wir stellen Ihnen die 4 traditionelle japanische Gartenstile näher vor. Entdecken Sie mit uns die prachtvollen Wandelgärten, die Besonderheiten der Teegärten, die Vergänglichkeit in den Paradiesgärten und die Schlichtheit der Steingärten.

„Die Schlichtheit japanischer Gärten berührt mich sehr. Es sind Meisterwerke der Gartenbaukunst. In unserer schnell-lebigen Zeit sind sie Orte der Ruhe und Geborgenheit. Mein Ziel ist es, in unseren Gärten diese Atmosphäre zu schaffen .“ ― Andreas Langsdorff, erfahrener Japan Gartenbauer

 

 

Der Wandelgarten - prachtvoller Palastgarten

Der Wandelgarten mit seiner heiteren, beschwingten Atmosphäre lädt den Besucher ein, ihn zu lustvoll zu durchstreifen. Wandelgärten sind großzügige und prachtvolle Palastgärten, die erstmals im 16. Jahrhundert um die Häuser der Lehensherren und Shogunen angelegt wurden. Sie dienten der Unterhaltung und dem Vergnügen, hatten aber auch repräsentative Zwecke.

Jeder Schritt verändert den Blickwinkel

Die in weiten Geländen angelegten Wandelgärten sind so gestaltet, dass sich der Anblick des Gartens mit jedem Schritt verändert. Folgt man dem Wandelpfad – der wie ein roter Faden durch den gesamten Garten führt – so erlebt man eine faszinierende Abfolge von Ausblicken, Naturschönheiten und symbolischen Darstellungen. Szenen werden enthüllt, nur um dann beim Weitergehen zu verschwinden und später aus einer anderen Perspektive wieder aufzutauchen. Wenn möglich, wird die Technik der „geborgten Landschaft“ eingesetzt – ferne Berg- und Hügelketten oder Tempel werden bewusst bei der Planung eingesetzt und dienen der optischen Erweiterung des Gartens. Hauptelemente bilden ein oder mehrere Teiche, die man umrunden kann, zahlreiche Pflanzen, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, Inseln, Bachläufe, Wasserfälle, Brücken und Hügel. Teilweise gibt es Gartenhäuser, von denen aus man den Garten  zurückgezogen und in Ruhe betrachten kann.

Wandelgarten mit Steinlaterne, Kenrokuen Garten

Der Teegarten

Der Teegarten hatte ursprünglich hauptsächlich eine rituelle Funktion. Durch die ab Mitte des 15. Jahrhunderts zusehends beliebter werdende Teezeremonie entwickelten sich die Teegärten, die bewusst wie auch die Teezeremonie an sich besonders schlicht gehalten waren.

Die wirkliche Welt verlassen

Teegärten umgeben das Teehaus und trennen diesen Bereich von der restlichen Welt. Als Sichtschutz wird hierfür hauptsächlich eine besonders dichte Bepflanzung aus Bambus und Sträuchern gewählt. Der Garten  ist schlicht gehalten, mit immergrünen Pflanzen und unauffällig blühenden Blumen und meist in zwei Gärten geteilt – einem inneren und einem äußeren Garten, durch Zäune und Tore voneinander getrennt. Mit dem Durchschreiten der Gärten wird das Eintreten in eine tiefere Bewusstseinsebene symbolisiert. Den Gästen wird das Gefühl vermittelt, die wirkliche Welt zu verlassen, sobald sie auf dem Pfad – dem Roji – auf das Teehaus zugehen. Eine Einstimmung auf die kommende Zeremonie und das Zur-Ruhe-kommen ist  Ziel dieser Gärten. Hauptelemente bilden eine Wartebank, eine Steinlaterne für die nächtliche Teezeremonie und ein Wasserstein zur Reinigung der Hände. Die ursprünglichen Teehäuser selbst wirkten schlicht und rustikal, waren jedoch aus besonders ausgewählten und hochwertigen Materialien gebaut. Die Teezermonie selbst ist eine Achtsamkeitsübung – bewusst werden einfache alltägliche Handlungen – wie das Trinken, Sitzen und Gehen – im Hier und Jetzt durchgeführt. Respekt und Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber und in aller Stille mit anderen Gästen gemeinsam Tee zu trinken, so der tiefere Sinn.

Teehaus im Nan Lian Garten, Hong Kong

Der Paradiesgarten

Paradiesische Landschaften und Flüsse kann man im Paradiesgarten genießen.

Der Fluss des Lebens und seine Vergänglichkeit

Groß angelegte Gärten, die so gut in die bestehende Landschaft integriert werden, dass sie wie ein Teil davon wirken. Folgt man den Wegen des Paradiesgartens, entdeckt man immer wieder neue Perspektiven und  Szenerien.  Paradiesische Landschaften, Teiche mit Lotusblumen und Inseln, fließendes Wasser, das den Besucher an den Fluss des Lebens und die Vergänglichkeit erinnern soll – von der Quelle bis zur Mündung. Die Grundelemente des Paradiesgartens sind ein Teich samt Inseln und unmittelbarer Umgebung.

Paradiesgarten, Motsuji Garten

Der Steingarten

Der Steingarten, auch Trockengarten genannt,  kann von einem Punkt aus überblickt werden. Der japanische Steingarten ist – einmal angelegt – besonders pflegeleicht. Dieser Gartentyp aufgrund seiner Schlichtheit, die sich gegenwärtig auch in moderner Architektur findet,  immer beliebter.

Das Zusammenspiel von Steinen und Natur

Im Steingarten, der asymmetrisch angelegt ist, sind Kies und Steine vorherrschend, auf Pflanzen wird fast gänzlich verzichtet, einzig Moos, das sich auf den Steinen bilden kann, wird geduldet. In der Gestaltung ist die genaue Positionierung der Steine entscheidend, um das Zusammenspiel von Steinen und Natur darzustellen. Die idealistische Naturlandschaft dieser Gartenform ist stark vom Zen Buddhismus beeinflusst und besteht aus sorgfältig ausgesuchten, unbelebten Materialien – Steinen und Sand.  Sand steht für  Meer, die Steine symbolisieren die Berge.
Am Anfang der Entwicklung standen Zen-Gärten; diese kleinen Gärten wurden meist vor den Studierräumen der Mönche zum Zwecke der Meditation angelegt. Daneben wurden sie auch als meditative Arbeitsform genutzt – ein Harken der Arbeitsflächen ohne erkennbares Ziel und Ende sollte die Meditation erleichtern. Der bekannteste Trockengarten kann im Ryoanji – Tempel in Kyoto besichtigt werden.

Steingarten

Eintauchen in die japanischen Gärten

Im Bonsaimuseum in Seeboden kann man in die Welt der japanischen Gärten eintauchen. Seit 1976 wird hier asiatische Bonsaikunst und japanische Gartengestaltung von Meisterhand kunstvoll umgesetzt. Besonderes Anliegen der Besitzer ist, die Zeitlosigkeit des Bonsai-Gedankens zu vermitteln.

 

 

 

 

 

 

Bonsai Museum Seeboden